Die Türkei und ihre innerstaatlichen Konflikte



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Laut den neusten Umfragen unter der Bevölkerung ist für die Türken das aktuell wichtigste und besorgniserregendste innenpolitische Thema der Terrorismus. Er verweist somit die Arbeitslosigkeit, welche bei den vorangegangenen Umfragen die Führungsposition eingenommen hatte auf Platz zwei. Die Lage im Osten der Türkei ist kritisch. Die Kämpfe mit der kurdischen Terrororganisation PKK sind so stark entbrannt wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr. Die Opferzahlen auf beiden Seiten steigen beinahe täglich und die Kämpfe weiten sich bis auf das iranische und irakische Staatsgebiet aus, auf welchem die Türkei auch Luftangriffen gegen Dörfer, welche der PKK als Rückzugsort dienen leitet. In gewisser Hinsicht beginnt dieser Konflikt die innenpolitische Ebene zu übersteigen, da die Türkei nicht der einzige Staat in der Region ist, welcher mit Teilen der kurdischen Minderheit einen bewaffneten Konflikt führt. Mittlerweile gibt es auf diesem Gebiet eine immer engere Zusammenarbeit zwischen der türkischen und der iranischen Regierung, dessen Armee ebenfalls Militäroperationen im Irak durchführt. Der Konflikt beschränkt sich jedoch nicht nur auf die militärische Ebene, sondern findet auch auf rein politischer Ebene statt. So hat die PKK-nahe Kurdenpartei BDP(Baris ve Demokratik Partisi; Die Partei der Demokratie und des Friedens) bei den diesjährigen Wahlen in einigen Regionen sogar die Mehrheit der Stimmen erreicht und ist landesweit recht knapp an der immernoch sehr hohen 10%-Hürde für den Einzug ins Parlament gescheitert. Die Fronten haben sich in den letzten Monaten immer weiter verhärtet und der Konflikt ist ein Dauerthema in der Türkei, während unter der internationalen Gemeinschaft, abgesehen von der im Nordirak vertretenen kurdischen Autonomieregierung, weitgehend Zurückhaltung bezüglich des Konfliktes herrscht. Es kommt auch in den verschiedenen türkischen Großstädten immer häufiger zu gewaltätigen Konflikten zwischen PKK-Anhängern und der türkischen Rechten. Auf unserer Reise durch Konya treffen wir in diesem Zusammenhang auch auf Anhänger der MHP (Milliyetci Hareket Partisi; Die Partei der nationalistischen Bewegung). Von ihnen wird Yusuf zunächst mit den 2 üblichen Kopfstößen, anstatt der Küsschen auf die Wange begrüßt. Diese bezeichnen Adolf Hitler als einen „guten Mann“, welcher aber leider „Fehler gemacht“ habe. Diese seltsame Auslegung der Geschehnisse des 3. Reiches ist begleitet von einem starken Glauben an das Türkentum und die Verherrlichung des sogenannten Turanismus und der Vergangenheit der Imperien der verschiedenen türkischen Volksstämme. In Konya wird uns hier auch mit Stolz eine Reihe von Säulen mit den Flaggen der verschieden türkischen Imperien präsentiert. Besonders Stolz ist man auf das Reich der Seldschuken, für deren Reich die Region um Konya eine tragende Rolle spielte. In der Innenstadt gibt es auch eine Jahrhunderte alte von den Seldschuken erbaute Moschee. Diese Ideologie verliert aber in der Türkei vor allem seit der Gründung und dem politischen Aufstieg von Erdogan´s konservativer AKP immer weiter an Anhängern und kommt auch aufgrund eines kurz vor der Wahl aufgetauchten Pornovideos, in welchem hohe Persönlichkeiten der MHP bei Orgien zu sehen sind nur auf knapp über 13%. Die MHP ist jedoch nicht die einzige Partei welche sich den kurdischen Unabhängigkeitsbemühungen entgegenstellt. Trotz diverser innenpolitischer Auseinandersetzungen ist man sich an diesem Punkt meist einig. Einen kurdische Staat auf türkischem Gebiet soll und wird es nicht geben. Lieber ist man bereit sein Leben für die Heimat zu opfern.

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