Wir sind heute aus Konya nach Kütahya mit dem Zug weiter gefahren, was vor allem für Yusuf anstrengend war, der einen großen Teil der Zeit im stehen verbringen musste, da keine Sitzplätze mehr frei waren. Als dann endlich nach langem Warten doch ein Platz frei wurde, wollte sich ein Päärchen dort niederlassen. Yusuf hatte keine Lust auf ewige Diskussionen, dafür aber umso mehr eine ältere Frau, welche ihm schon seitdem wir in den Zug eingestiegen waren versprochen hatte, dass er der Nächste sei, der Anspruch auf einen Sitzplatz habe. Nach langem Hin und Her von dem Yusuf, der sich im Flur angeregt über türkische Politik unterhielt, nichts mitbekam, war der Mann letztendlich bereit den Platz abzugeben.
In der politischen Diskussion, welche Yusuf zuvor geführt hatte, ging es vor allem um die Identität des Individuums, die Schwierigkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund in Europa, aber auch die nach Europa getragenen türkischen innenpolitischen Konflikte.
Nach der aufreibenden Zugfahrt kamen wir also endlich in Kütahya an, mussten uns aber noch eine Weile gedulden, um auf den Busbahnhof gehen zu können, da es bei unserer Ankunft erst 4 Uhr morgens war. Bei dieser Gelegenheit durften wir auch Bekannschaft mit dem kühlen morgendlichen zentralantolischen Klima machen.
Um 9 fuhren wir mit dem Bus in die leicht abseits gelegene Kleinstadt Cavdarhisar, in welcher wir den Zeustempel besichtigen dürften. Da leider alle Busse, welche von dort aus direkt nach Eskisehir gefahren wären, bereits komplett ausgebucht waren mussten wir erst nach Kütahya zurückfahren, um dann von dort aus um 15 Uhr aufzubrechen.
Angekommen und völlig übermüdet, brauchte es uns eine Weile um ein passendes Hotel zu finden. Letztendlich fanden wir aber doch ein anständiges Hotel, in dem sich Yusuf dann die Schiebung des Jahres beim Basketballspiel Türkei gegen Polen ansehen musste, was ihm zunächst zu 45 Minuten betreteten Schweigens und anschließend beim Essen zum Aufstellen diverser Verschwörungstheorien über die systematische Unterdrückung und Verhinderung des Aufstiegs der Schwellenländer auf allen politischen oder nichtpolitischen Ebenen brachte.
Nachdem die Diskussion dann in einem Sarrazinmonolog, vorgetragen von Lale geendet hatte, spielten die Besten Freunde bei ein wenig Lokum noch eine Runde Stadt-Land-Fluß, welche die Geographie-Bachelorette Lale klar für sich entschied.
Eure Besten Freunde




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